Der Tod der Maria von Brabant

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"Diese Maria von Brabant lebte in jeglichem ihres Stands und Geschlechts würdig, der erste Schmuck eines Hofes, an dem sich so manche ehrenwerte Männer versammelten. Unter diesen zeichnete sich durch Tapferkeit und Gewandtheit in Worten und im Umgange aus, Ritter Rucho der Ottlinger. Mehrere Male spielte die Herzogin Schach mit ihm, was sein Zutrauen so erhöhte, daß er bat: sie möge ihn, gleich anderen ihrer näheren Diener, künftighin duzen und nicht mehr ihrzen, oder mit Ihr anreden.

Die Herzogin aber schwieg und ließ es beim alten. Bald nachher zog ihr Gemahl ins Feld gen Augsburg und setzte sich so vielen Gefahren aus, daß Maria ihn, obgleich vergeblich, warnte. Da schrieb sie zu demselben Zweck ein zweites Mal an den Herzog und gleichzeitig an den Ritter: er möge mit Fleiß dahin wirken, daß ihr Gemahl das Feld verlasse; dann wolle sie ihm auch die Bitte gewähren, um welche er sie so oft gebeten habe. - Statt des ersten kam durch Verwechslung dieser letzte Brief in die Hände Ludwigs, welcher (durch Verleumdung wahrscheinlich doppelt aufgeregt) die ihm unklaren Worte sogleich aufs ärgste mißdeutete, in sinnloser Wut den Boten niederstieß und Tag und Nacht reitend unerwartet am Abend des 18. Januars 1256 in Donauwörth anlangte, wo sich seine Gemahlin und seine Schwester, die Königin Elisabeth, aufhielten. Beide empfingen ihn mit ungeheuchelter Freude, er aber rief seiner Gemahlin entgegen: sie sei eine Verbrecherin und müsse sterben! - Diese, fast betäubt von Schreck und Schmerz, bat, wo nicht um Beweise so schwerer Anklage, doch um Frist, damit sie ihre Unschuld dartun könne.

Herzog Ludwig II. und seine ersten beiden Frauen

Maria von Brabant und Anna v. Schlesien-Glogau

 

 

 

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